Es ist doch echt zum verrückt werden nun ärgere ich mich darüber, dass ich mich ärgere. Wie konnte das passieren? Dabei weiß ich es doch eigentlich besser – auch, dass es sich nicht lohnt sich überhaupt noch Gedanken darüber zu machen – jetzt im Nachhinein. Und überhaupt, wieso habe ich eigentlich so bescheuert darauf reagiert?
Kennst du dieses Gefühl? Jemand sagt etwas und dein Herz fängt daraufhin an viel zu hart zu schlagen, dein Hals wird Eng, du spürst Hitze in deinem Gesicht. Dieser Satz geht tief. Du kennst dieses Gefühl. Denn es ist nicht das erste Mal.
Du weißt sogar, woran es liegt. Du hast dich damit beschäftigt. Du hast reflektiert. Du hast verstanden.
Und trotzdem:
In diesem Moment warst du weg.
Zu tief getroffen, um sachlich zu bleiben. Zu sehr berührt, um dich zu beherrschen. Zu nah an etwas Altem, um es einfach loszulassen.
Das ist das Gemeine an Triggern. Sie fragen nicht, wie bewusst du bist.
Was hier wirklich passiert
In diesem Moment reagierst du nicht auf den Menschen vor dir.
Du reagierst auf eine alte Erfahrung.
Auf ein Gefühl von:
- nicht ernst genommen werden
- nicht richtig sein
- zu viel oder zu empfindlich sein
Dein Verstand weiß: „Das ist jetzt nicht lebensbedrohlich.“
Dein Nervensystem sagt: „Achtung. Gefahr.“
Und gewinnt.
Warum du dich danach so sehr verurteilst
Nach außen war es vielleicht nur ein kurzer Moment. Ein Satz. Ein Blick. Eine Reaktion.
Doch in dir beginnt der zweite Akt:
Der innere Angriff.
Warum hast du dich nicht im Griff gehabt? Warum lässt du dich immer noch triggern? Warum bist du nicht weiter? Hierbei merke ich immer wieder Wissen ist das eine, es zu leben etwas völlig Anderes…
Und genau hier entsteht der nächste Schmerz.
👉 Nicht der Trigger verletzt dich am meisten – sondern dein Umgang mit dir danach.
Also im Grunde verletzen wir uns viel zu oft selbst, wir wissen das und ärgern uns ein fieser Kreislauf. Deswegen ein Merksatz für dich, damit du dich vielleicht nicht mehr ärgerst:
Trigger sind keine Kontrollverluste – sie sind Kontaktstellen
Trigger zeigen dir nicht, dass du schwach bist.
Sie zeigen dir, wo du einmal gelernt hast, dich selbst zurückzustellen, um dazuzugehören.
In Beziehungen. In Familien. Im gesellschaftlichen Miteinander.
Und solange diese Stellen ungehalten bleiben, melden sie sich. Immer wieder.
Nicht, um dich zu sabotieren. Sondern um gesehen zu werden.
Die Gute Nachtricht hierbei ist. Du weißt auf jedenfall, das da noch etwas in dir ist, was du noch nicht verarbeitet hast, etwas wo du einfach noch keinen Schlusststrich gezogen hast. Du hast es einfach tief vergraben mehr nicht. Und du weißt ja alles kommt irgendwann an die Oberfläche.
Was du im Moment des Getriggertseins tun kannst
Wenn dein Herz rast und dein Hals eng wird:
- Sag innerlich: „Das ist ein Trigger.“ Nicht bewerten. Nur erkennen.
- Verlangsame deine Antwort. Du darfst einen Atemzug brauchen. Das ist keine Schwäche.
- Sprich von dir – nicht über den anderen. Zum Beispiel:
„Das trifft mich gerade mehr, als mir lieb ist.“
Oder:
„So wie das gesagt wurde, fühlt es sich für mich nicht gut an.“
Kein Angriff. Keine Rechtfertigung.
- Bleib innerlich bei dir. Du musst niemandem beweisen, dass du richtig bist.
Und danach?
Hör auf, dich fertigzumachen.
Du hast nicht versagt. Du hast etwas gespürt.
Die eigentliche Entwicklung beginnt nicht im perfekten Reagieren.
Sondern darin, dass du dich nach dem Trigger nicht mehr verlässt.
Wie du dich im Moment befreien kannst – ohne dich zu verraten
Manchmal willst du es richtig machen. Bewusst reagieren. Ruhig bleiben. Erwachsen sein.
Und manchmal eben nicht.
Manchmal willst du nicht atmen. Nicht reflektieren. Nicht schon wieder die Größere oder der Reifere sein.
Und weißt du was? 👉 Das ist okay.
Wir sind keine Therapiekonzepte. Wir sind Menschen.
Die praktische Befreiung – wenn du bei dir bleiben willst
Wenn du spürst, dass du bei dir bleiben möchtest, dann kann es so aussehen:
- Du spürst deinen Körper und bleibst einen Moment still.
- Du sagst einen einfachen, ehrlichen Satz:
„Das triggert mich gerade mehr, als ich möchte.“
Oder:
„Ich merke, dass da gerade etwas Altes bei mir anspringt.“
Du erklärst nichts weiter. Du rechtfertigst dich nicht.
Du nimmst dir Raum.
Das ist Befreiung durch Bewusstheit.
Und dann gibt es diese anderen Momente
Die, über die kaum jemand spricht.
Die Momente, in denen du innerlich denkst:
„Nein. Heute nicht.“
Heute will ich nicht schlucken. Heute will ich nicht souverän sein. Heute will ich, dass es raus darf.
Nicht verletzend. Aber ehrlich.
Wenn Gerechtigkeit wichtiger ist als Harmonie
Manchmal ist es heilsamer, zu sagen, was lange keinen Platz hatte.
Dann klingt es vielleicht so:
„Weißt du was? Genau solche Sätze haben mich schon früher klein gemacht.“
Oder:
„Ich schlucke das hier schon lange – und heute nicht mehr.“
Das ist kein Kontrollverlust. Das ist aufgestaute Wahrheit.
Und ja: Das kann unbequem sein. Für dich. Für die anderen.
Aber oft passiert genau dann etwas Echtes.
Warum das Beziehung nicht zerstört – sondern vertieft
Viele haben Angst, dass Ehrlichkeit Beziehungen kaputt macht.
In Wahrheit zerstört Schweigen viel mehr.
Wenn Dinge endlich ausgesprochen werden, fallen Masken.
Nicht jede Beziehung hält das aus. Aber jede echte Beziehung wird klarer.
Und Klarheit ist ehrlicher als falscher Frieden.
Es gibt kein richtig oder falsch
Manchmal ist Bewusstheit der Weg.
Manchmal ist es das ehrliche Rauslassen.
Beides kann heilsam sein, wenn du dich dabei nicht selbst verrätst.
Der einzige Moment, der wirklich verletzt, ist der, in dem du dich zwingst, anders zu sein, als du gerade kannst.
Deswegen, wenn du dich gerade nicht zusammenreißen möchtest dann tu es auch nicht, weil du dadurch den Graben ja nur wieder tiefer gräbst und dich wieder zurücknimmst und das ist ja genau das was dich getriggert hat. Dann ist es gut diesen Kreis zu durchbrechen. Ich sag es jetzt mal hart ohne Rücksicht auf Verluste. Aber jemand, der dich nur aktzeptiert, wenn du dich für ihn zurücknimmst ist genau genommen auch kein Verlust. Ich entscheide mich für mich ich nehme mich nicht mehr zurück, versuche aber immer ehrlich, klar und höflich zu sein.
Für dich
Wenn du dich hier wiedererkennst, dann hör auf, dich zu bewerten.
Frag dich lieber:
„Was war in diesem Moment für mich wahr?“
Und dann steh dazu.
Egal, ob es ruhig war. Oder laut.
Denn Beziehungen werden nicht besser, weil wir perfekt reagieren.
Sondern weil wir ehrlich sind.
Wenn du noch tiefer gehen willst – näher an meine eigene Erfahrung, meine Zweifel und meine Haltung zu Triggern – dann hör dir meine Podcastfolge „Trigger“ auf Spotify (mein Podcast heißt Nebelmut) an. Vielleicht findest du dich darin wieder. Vielleicht triggert sie dich. Und vielleicht beginnt genau dort etwas Ehrliches.
Herzlich, Janine