Freitzeitstress – Wie wir uns mit Freizeit die Freizeit kaputt machen

„Und als ich dann genauer darüber nachgedacht habe, weißt du da war….“ Mein Satz wird durch die Klingel unterbrochen, die Klingel des nächsten Besuchs. „Ach ist es schon so spät? Ich dachte echt, wir hätten noch Zeit.“ Ich suche meinen Sachen zusammen, während der neue Besuch alle begrüßt und verabschiede mich.

Kennst du auch solche Situationen, wo ein Freizeittermin den Anderen jagt? Wir kennen viele Menschen und zudem gibt es noch unendlich viele Möglichkeiten der Freizeitgestaltung, dass wir uns einfach nicht entscheiden können bzw. auch nicht entscheiden wollen! In unserer heutigen Gesellschaft wollen wir alle, alles und genau dadurch haben wir eigentlich gar nichts, außer eine Menge Stress!

lärm

„Man lebt nur einmal!“

Dieses Lebensmotto begleitet uns alle und löst in uns eine Panik aus. Das Leben genießen setzen wir gleich mit, soviel wie möglich erleben. Doch geht es nicht in Wirklichkeit viel weniger um das Viel und eher um das Wie?

Jahrelang habe ich nach diesem Motto gelebt und meine Interpretation davon war, umso mehr schöne Dinge ich an einem Tag mache, umso intensiver lebe ich. So war es mir möglich an einem Tag gleich mehrere meiner Freunde zu treffen und mit ihnen unterschiedliche Freizeitaktivitäten zu erleben. Immer in Eile von einem Erlebnis zum nächsten. Oft habe ich diejenigen nicht verstanden, die mit einer Aktivität am Tag schon erfüllt waren, auch lag mir das Absagen ziemlich schlecht, da ich immer Angst hatte etwas zu verpassen.

Das ich die ganze Zeit schon etwas verpasste, wurde mir erst später bewusst….

Schauen wir mal genauer hin. Nur weil wir etwas machen heißt es noch lange nicht, das wir es erleben! Manche meiner Tage waren so vollgepackt, dass ich die einzelnen Dinge, die ich tat, gar nicht wirklich wahrnahm. Ich konnte nichts wirklich genießen, da ich an dem Ort, wo ich mich gerade befand, mit dem Kopf schon an dem nächsten Ort war. Mein Akku war immer nur so um die 50% geladen und mein Gemütszustand verschlechterte sich von Zeit zu Zeit immer mehr. Ich hatte keine Balance, kein Lebensgefühl und die Freizeitaktivitäten führte ich nur noch rein funktionell aus. Das hatte einen großen, negativen Einfluss auf meine Persönlichkeit. Innerlich fühlte ich mich gestresst, zerrissen und  genervt und das strahlte ich auch aus. Ich traf mich zwar mit vielen Menschen, doch ich war weder richtig bei ihnen, noch waren sie richtig bei mir. Man war nur irgendwie zusammen.

Ich habe jahrelang unterschätzt, wie viel Zeit ich für mich selbst brauche.

Ich persönlich muss auch alles, was ich erlebe vernünftig verarbeiten können, damit ich mich gut fühle. Renne ich aber von einer Verabredung zur nächsten habe ich weder die Zeit, meine vorherige Verabredung zu verarbeiten, noch habe ich Zeit meinen Akku wieder aufzuladen. Jetzt wo ich das so schreibe klingt das für mich total logisch, ich habe das aber eine sehr lange Zeit überhaupt nicht bedacht. Mit Momenten schafft man Erinnerungen die bleiben. Doch habe ich soviel erlebt, dass ich mich höchstens noch an die Hälfte erinnern kann, wahrscheinlich nur an die Momente, wo ich auch wirklich zu 100% da war. Ja und was passiert eigentlich, wenn ich meine Erlebnisse nicht verarbeite? Meine Selbstreflexion geht verloren, weil ich keine Zeit mehr zum Nachdenken habe – zum Nachdenken über mich, über meine Träume und über schlechte Erlebnisse. Durch mein aktives Leben habe ich mich selbst verloren und meine Unzufriedenheit unbewusst verdrängt. Erst mit der Ruhe kam die Erkenntnis und ich wurde mir wieder bewusst, wie ich eigentlich denke und was ich fühle.

Mit dem Wand angucken fing es an

Wandangucken

Mein Kollege und ich hatten oft schwierige Fälle auf der Arbeit zu lösen, die uns wirklich oft großes Kopfzerbrechen bereitet haben. Wir waren total ausgelaugt. Dann haben wir etwas eingeführt, worüber uns alle belächelt haben. Nachdem wir uns stundenlang den Kopf zerbrochen hatten, setzten wir uns für ein paar Minuten hin und taten nichts weiter als die Wand anzustarren und ruhig und tief durchzuatmen. Das gab uns wieder Energie, es war wirklich so, als würden wir unseren Akku wieder etwas aufladen. Erklärten wir unseren Kollegen, was wir da taten, bekamen wir nur ein Lächeln zurück, was aussagte, wir seien verrückt. Doch wir haben tatsächlich einen Artikel darüber gefunden das jeder Mensch in der Lage sein sollte für ein paar Minuten nichts weiter zu tun, als die Wand anzustarren. Na, wie ist es bei dir? Bist du dazu in der Lage?

„Die größten Ereignisse – das sind nicht unsere lautesten, sondern unsere stillsten Stunden.“ (Friedrich Wilhelm Nietzsche)

Wenden wir uns nun von der Wand ab und denken weiter nach. Wenn also ein paar Minuten Wandanstarren schon Energie bringen, was kann dann regelmäßige Ruhe bewirken? Ich kann es dir sagen sie lädt dich nicht nur komplett wieder auf, sie macht dich auch glücklich und zufrieden.

Heute ist die Ruhe mein bester Freund. Ich genieße die Stille und bin seitdem gelassener, gesünder, leistungsfähiger, konzentrierter und kann meine Persönlichkeit so entwickeln, wie sie zu mir passt, da ich nun Zeit zum Nachdenken habe.

Genieße den Moment

Dieses Zitat war mein Lieblingszitat in meiner Jugendzeit, an die ich mich auch sehr gut erinnere, da ich damals viel Zeit für mich selbst hatte. Ich habe viel nachgedacht, Tagebuch geschrieben und die Partys und Momente genossen. Zu der Zeit hatte ich meistens nur einen Freizeittermin in der Woche. Nur ein Termin, der mir aber soviel gegeben hat, ich hatte Zeit für Vorfreude, Zeit diesen zu genießen und ihn danach in Ruhe zu verarbeiten, indem ich das Ereignis in meinem Tagebuch festhielt.

Heute mache ich es wieder so! Ich richte meine Wochentermine so ein, dass ich immer genug Zeit habe auf dem Sofa zu liegen und die Wand anzugucken. Es geht nicht darum, soviel wie möglich zu unternehmen, sondern darum jeden Moment zu genießen.

„Die Stille stellt keine Fragen, aber sie kann uns auf alles eine Antwort geben.“ (Ernst Ferstl)

Was würde passieren, wenn sich jeder von uns diese Ruhe gönnen und damit zum Nachdenken kommen würde? Anfangs wäre es wohl vor Allem für diejenigen unter uns erschreckend, die sich komplett der Ablenkung hingegeben haben und gar nicht mehr zum Nachdenken gekommen sind. Es könnte sein, dass wenn sie anfangen nachzudenken, feststellen, dass sie in Wahrheit mit ihrem Leben unzufrieden sind und ihre Träume verpasst haben. Doch es ist besser sich jetzt von seinen Gedanken wieder wachrütteln zu lassen, als ein Leben voller Ablenkung und dem verlorenen Ich zu leben.

Wie kommst du mit der Stille klar? Macht sie dir Angst oder beruhigt sie dich? Hinterlasse mir dazu doch gerne einen Kommentar!

Vergiss niemals den Moment zu genießen!

Deine Janine