Schattenspringen

Viele höre ich zu anderen sagen, dass sie über ihren Schatten springen sollen. Ich habe mal genauer zugehört und hingeschaut. Alle sagen es, doch kaum einer tut es.

Es ist so leicht zu anderen gesagt. Vor allem, wenn ich von etwas rede, was mir selbst total leicht fällt und ich mir von der anderen Person wünsche. „Ach komm schon.“ „Stell dich nicht so an!“ „Spring doch mal über deinen Schatten, für mich.“ Sind die Sätze die wir alle der Person gegenüber verwenden. Im Hinterkopf der Gedanke, dass wir gar nicht verstehen können, wieso da überhaupt ein Schatten ist, den es zu überwinden gibt.

Schauen wir doch mal auf unsere Schatten und machen uns weniger Gedanken über die Schatten der anderen. Mir ist aufgefallen, dass ich selbst auch nur das tue, was ich mag und möchte. Über meinen Schatten springe ich nur, wenn mich selbst etwas interessiert. Für etwas, was mich selbst weder interessiert, mir nicht liegt oder mir keinen Spaß macht, mache ich mir gar nicht erst die Mühe und wenn ich mich mal zusammenreiße für eine Person, die mir am Herzen liegt, so merkt man es mir immer an, dass es etwas Aufgezwungenes ist, nichts was von Herzen kommt. Und letztendlich tu ich damit dann niemanden einen Gefallen. Wir sollten immer bedenken, dass es nicht nur physisch unmöglich ist über unseren eigenen Schatten zu springen, sondern dies auch gegen unseren eigenen Charakter und unsere Überzeugungen ist.

Bevor ich also das nächste Mal jemanden bitte über seinen Schatten zu springen, um etwas zu tun, was er nicht mag, denke ich an meinen Schatten und meistens komme ich dann zu dem Ergebnis die Person einfach damit in Ruhe zu lassen, sie lässt mich ja schließlich genauso in Ruhe. Hier passt der Satz: „Leben und leben lassen“ wirklich gut. Wir sollten aufhören die Personen um uns herum verändern zu wollen. Meistens hat es auch gar nichts mit den anderen Personen zu tun, sondern mit einem selbst. Warum möchte ich unbedingt, jemanden überreden, zwingen? Ist es mir nicht viel wichtiger, dass sich die Person wohlfühlt?

Was mir bei meinen Beobachtungen am meisten aufgefallen ist, ist wirklich spannend. Denn die Personen, die von anderen erwarten etwas zu tun, was sie sonst nicht tun, tun es selbst nicht und es ist ihnen noch nicht einmal bewusst, auch nicht, wenn ich sie direkt darauf anspreche. Selbstreflexion ist hierbei eine wichtige Grundvoraussetzung.

Erwarte nichts von anderen, was du selbst nicht erfüllst!

Das ist mein Motto, weswegen ich anderen gegenüber nichts erwarte und mich ständig aufs Neue selbst reflektiere.

Wann es sich lohnt über seinen Schatten zu springen.

Natürlich möchte ich dich mit diesem Artikel jetzt nicht ermutigen dich hinter deinen Gewohnheiten zu verstecken. Ich unterscheide hier aber über seinen Schatten springen und aus seiner Komfortzone herauskommen. Es ist für uns alle wichtig uns weiterzuentwickeln und über uns hinauszuwachsen. Dennoch sollten wir dies mit Herz und Leidenschaft tun, für etwas, wofür wir brennen. Etwas wo nicht das Interesse fehlt, sondern unsere eigene Angst uns bremst. Dies können wir überwinden, aber auch nur für etwas was wir wirklich wollen, dass ist der Unterschied.

Lass dich also nicht von anderen beeinflussen oder zu etwas zwingen, worauf du keine Lust hast, was dazu führt deinen Charakter oder deine Moral zu verändern. Denn das tut weder dir noch deinem Umfeld gut. Springe über deinen Schatten, aber nur für dich selbst!

Falls du Lust hast hier eine kleine Aufgabe zur Selbstreflexion:

Schnappe dir Zettel und Stift und erstelle eine Liste mit 3 Überschriften. Überschrift 1: „Wo wünsche ich mir, dass andere für mich über ihren Schatten springen?“ Überschrift 2: „Wann bin ich für andere über meinen Schatten gesprungen?“ Überschrift 3: „Wann springe ich für mich über meinen Schatten?“

Mich würde dein Ergebnis natürlich sehr interessieren, vielleicht teilst du es ja mit mir in den Kommentaren.

Bis dahin arbeite nicht gegen sondern mit deinem Schatten!

Deine Janine