Der endlose Anfang

Es beginnt immer gleich und doch fühlt es sich so individuell und besonders an. Zwei Blicke Treffen sich und die damit einhergehende Anziehungskraft ist unvermeidlich. Sein „Hi!“ klingt so sanft und wie Musik in deinen Ohren, seine Worte so charmant, so vertraut und so besonders. Es fühl sich an, als würdest du dich gerade in einem Traum befinden. Fühlt es sich so an? Ist es Liebe auf den ersten Blick? Ist es überhaupt Liebe?

Wunderschön und unkompliziert der Anfang, wie etwas, auf das man sein ganzes Leben lang gewartet hat Stufe 10 in der Schnulzenskala.

Du fängst an tiefgreifende Gespräche mit ihm zu führen und hast das Gefühl dich noch nie so tiefgreifend mit jemandem unterhalten zu haben. Und in dem Moment als du das denkst spricht er es direkt aus: „So jemandem wie dir, bin ich noch nie zuvor begegnet.“ Du möchtest ihn auf der Stelle küssen auch wenn ihr euch gerade mal seit 2 Stunden unterhalten habt. Es passiert aber nichts, eure Blicke sind tief und es knistert gewaltig, dennoch ist eine weitere Annährung unverschämt zögerlich. Der Abend ist zu Ende und jeder geht nach Hause.

Du wälzt dich hin und her, dein Herz schlägt so laut, das du deswegen nicht schlafen kannst die Schmetterlinge im Bauch kämpfen gegen den Ärger an, das du ihm deine Nummer nicht gegeben hast. Noch mehr ärgerst du dich darüber, dass er gar nicht nach deiner Nummer gefragt hat. Was war das bloß?

Eine Tatsache zu dem Beginn der Geschichte habe ich noch verschwiegen. Es handelt sich nicht um eine zufällige Begegnung mit einem Fremden, sondern mit einer Person, mit der du einen gemeinsamen Freund hast. Dir ist das seltsame Verhalten deines Freundes aber überhaupt nicht aufgefallen, da du ja nur Augen für ihn, diesen unheimlich interessanten Mann, hattest. Das dein Freund teilweise eifersüchtig und seltsam reagiert hat, war dir entgangen und eigentlich auch total egal.

Wochen vergehen und du bekommst ihn einfach nicht aus deinem Kopf, nimmst diese Tatsache aber auch nicht so richtig wahr, denn da war ja eigentlich nichts. Bis du dann schließlich eine Nachricht von deinem Freund erhältst in der es um „IHN“ geht. „Ich wollte deine Nummer nicht einfach so rausgeben, auch wenn er mich danach gefragt hat. Zudem wollte ich dir noch sagen das er verheiratet ist. Also soll ich ihm deine Nummer geben oder lieber nicht?“

Du hörst dein Herz immer noch klopfen während du wie in Trance auf dein Handy starrst und ständig das Wort „verheiratet“ wiederholst. Dein Bauch zieht sich zusammen so als würden die Schmetterlinge gerade anfangen sich zu übergeben. Deine Finger fangen an zu tippen, und so als würdest du von außen zusehen, liest du die Worte: „Ja du kannst ihm ruhig meine Nummer geben, lieb das du fragst.“

Es dauert nur Minuten bis du die sehnsüchtig erwartete Nachricht von ihm erhältst. „Hi, ich hoffe es ist ok für dich, dass ich mich bei dir melde, du gingst mir irgendwie nicht mehr aus dem Kopf….“

Beflügelt von Neugier und seinen netten Worten, die süchtig machen, kommt ihr aus dem Schreiben gar nicht mehr heraus und das geht jeden Tag so weiter. Bis er eines Tages vor deiner Tür steht, einfach so. Du zögerst aber die Neugier trägt dich praktisch zu ihm.  „Hi!“ sagt er dir tief in die Augen blickend mit einem Lächeln. „Hi!“ antwortest du zögerlich. „Ich konnte nicht anders, ich wollte dich unbedingt sehen, schlimm?“ Du lächelst nur. Ihr fahrt stundenlang mit dem Auto spazieren und redet über Gott und die Welt, du hast das Gefühl als hättest du dich noch nie so gut gefühlt.

Doch jeder noch so schöne Tag geht einmal vorbei und es wird Zeit sich zu verabschieden. Ihr schnallt euch ab, er beugt sich langsam zu dir rüber und schaut dir tief in die Augen. Seine Lippen nähern sich deinen Lippen doch du ziehst deinen Kopf weg. Er schreckt zurück: „Oh ok tut mir leid, das war jetzt wirklich unangebracht!“ „Allerdings immerhin bist du verheiratet oder hast du das etwa vergessen?“ antwortest du. Er seufzt und dreht mit den Fingern eine Haarsträhne von dir. Dann steigt ihr aus und du machst dich auf den Weg zu deiner Haustür, ohne dich umzudrehen. „Warte!“ hörst du ihn rufen. Dein Verstand bittet dich, fleht dich an einfach weiterzugehen, aber du kannst ihn nicht hören, denn dein Herz schlägt zu laut. Also drehst du dich um er kommt direkt zu dir gelaufen und steht vor dir:“ Ich weiß gar nicht, wie ich mich von dir verabschieden soll.“ Du schaust ihm tief in die Augen, sagst aber nichts. „Ist eine Umarmung ok?“ fragt er. Du nickst zaghaft und ihr umarmt euch, bis ihr euch schließlich küsst….

Und da ist er der Anfang von etwas nur von was?

Tagelang kannst du an nichts Anderes mehr denken, als an Ihn und diesen unglaublichen Kuss. So hat dich noch nie zuvor jemand geküsst. Deine Prinzipien sind dir völlig egal geworden, du würdest alles tun um ihn nochmal so küssen zu dürfen.

Doch leider vergehen Wochen und keine Nachricht von ihm. Du bist voller Sehnsucht, die dich innerlich auffrisst. Du versuchst dein Leben zu leben und versuchst ihn zu vergessen, du gehst aus, lernst andere Männer kennen, unverheiratete Männer, aber keiner ist wie er. Dennoch lässt du dich auf den ein oder Anderen ein, aus Einsamkeit und Wut. Du tust Dinge, die das absolute Gegenteil von dem sind wer du bist und wirst dadurch noch unglücklicher. Bis er wieder auf der Bildfläche erscheint und versucht dich anzurufen. Du hältst dein Handy in der Hand und starrst es regungslos an. Der Anruf ist vorbei und du tust nichts, schaust einfach weiter ungläubig auf dein Telefon. Er schreibt: „Ich habe gerade versucht dich zu erreichen, ich weiß, dass es ein Fehler ist, weswegen ich mich auch nicht mehr bei dir gemeldet habe. Ich habe versucht dich zu vergessen, naja , was soll ich sagen? So sehr ich es auch versuche und mich auf meine Ehe konzentriere, ich kann dich einfach nicht vergessen. Aber wahrscheinlich hast du mich schon längst vergessen.“ Dein Herz macht vor Freude Luftsprünge genau diese Worte wollte es hören. Dein Verstand bremst dein Herz und bringt dich dazu dein Handy wegzulegen, ihn wegzulegen. Doch dein Herz gibt keine Ruhe, es bringt deine Finger dazu zu kribbeln bis du ihm endlich antwortest. Dein Verstand springt dazwischen und schafft es wenigstens deine Antwort zu manipulieren und so schreibst du: „Stimmt, ich habe dich vergessen!“ Damit sollte diese Geschichte nun endgültig zu Ende sein. „Oh, ok dann bleibe ich bei meinem ursprünglichen Plan und versuche weiterhin dich ebenfalls zu vergessen.“ antwortet er. Dein Herz umklammert den Verstand und macht ihn handlungsunfähig es kann nicht zulassen das die Geschichte so endet. Also bringst du es nicht übers Herz es dabei zu belassen und rufst ihn schließlich an: „Hi!“ Du hörst ein verwundertes „Hi!“, von seiner Seite. Es herrscht Stille, bis du dich überwindest etwas zu sagen. Dein Herz schlägt dir bis zum Hals und du hast das Gefühl als würdest du keinen Ton rausbekommen: „Ich habe dich nicht vergessen.“ hörst du dich leise sagen. Du hörst seine erleichterte Stimme und er sagt: „Ach süße das solltest du aber, ich möchte dir nicht weh tun!“ „Das hast du bereits!“ antwortest du. „Das tut mir sehr leid“, sagt er. Du merkst wie dir Tränen in die Augen steigen und bist nicht in der Lage darauf noch irgendetwas zu sagen. „Können wir uns sehen?“ fragt er. Du antwortest mit einem kurzen ja.

Der Moment als du ihn wiedersiehst ist unbeschreiblich schön. Den Verstand hast du zu Hause gelassen und du genießt den Moment mit ihm. Ihr küsst euch, ihr liebt euch, zumindest fühlt es sich für dich so an. Solche Momente werdet ihr immer mal wieder zusammen erleben, nur das du mehr willst und er dir nie das geben kann und will, was du wirklich brauchst.

Jahre vergehen und du fühlst dich einsam und gefangen zugleich. Du bist gefangen in einer fiktiven Beziehung, die dich niemals ganz erfüllen wird. Loslassen kannst du aber auch nicht. Es ist ein bisschen so, als bewache ein großer, böser Drache das Schloss in dem du wohnst und du es nicht alleine schaffst das Schloss zu verlassen. Einzig retten kann dich nur ein Prinz, die Frage ist, wirst du ihm Entgegengehen?

Wie endet diese Geschichte für dich? Lässt du sie enden oder wird es eine endlose Geschichte?

 

 

 

 

6 Gedanken zu “Der endlose Anfang

  1. Ich finde die Geschichte hat kein Ende. Sie ist schon vorbei ehe sie angefangen hat. Die Moral und das Ehrgefühl lasse ich mal außen vor. Beide wissen das es falsch ist. Sie ignoriert es, weil Sie ihren Egoismus leben will und er möchte nur dieses Gefühl der Spannung, des austesten leben. Wirkliches Interesse seinerseits besteht nicht, da er weiß das er seine Frau nicht verlassen wird. Sie weiß auch das er nicht gehen wird, hat aber zu wenig oder keinerlei Selbstwertgefühl. Daher ignoriert sie alles um das Gefühl zu haben etwas Wert zu sein, wenn er so tut als würde sie ihm etwas bedeuten.

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  2. Mit Spannung habe ich die Geschichte erwartet. Leider passiert so etwas viel zu oft. Und so sehr ich beide Seiten irgendwie/irgendwo verstehen kann. Die des Singles der sich verliebt und dahinein gerät freiwillig oder unfreiwillig und die des Gegenübers der sich scheinbar nicht mehr wohl in seiner Ehe fühlt….
    Dennoch bin ich immer der Meinung, vor allem, weil ich selbst verheiratet bin das man immer den Anstand haben sollte die Ehe oder Beziehung zu beenden bevor man sich auf etwas neues einlässt. Alles andere ist nicht fair – niemanden gegenüber.
    Daher würde in meiner Vorstellung diese Geschichte nie stattfinden 😀
    Aber um mich in deine Gesichte hineinzuversetzen würde ich sagen das sie in meine Augen enden würde, in dem die Frau kapiert das es nichts bringt und damit wirklich abhakt.
    Liebe Grüße Eileen
    http://www.eileens-good-vibes.de

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    • Vielen Dank für deinen tollen Kommentar!! Ich sehe das genau wie du, aber wie du auch schon sagtest passiert so etwas leider viel zu oft. Wenn ich mich so umschaue bekomme ich manchmal das Gefühl es sei normal und versuche mich dahineinzuversetzen und vielleicht kann ich dadurch ja auch wachrütteln. Ich frage mich auch wieso der Anstand und Respekt so oft und schnell verloren geht. Ich habe diese Geschichte aufgrund des häufigen vorkommens geschrieben.

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